DIE IDEE

Die Vorsitzende erzählt von Ihren Erlebnissen in Guatemala

Im Januar 2006 machte ich eine sechswöchige Studienreise nach Antigua, Guatemala. Ich wohnte dort bei einer einheimischen Familie, arbeitete wochentags von 8 bis 13.30 Uhr in einer staatlichen Kindertagesstätte in Jocotenango und hatte von 14 bis 18 Uhr Spanischunterricht.

In dem kleinen Häuschen mit nur 2 Zimmern und einer (nicht funktionstüchtigen) Toilette auf dem Hof werden 30 Kinder im Alter zwischen 11 Monaten und 6 Jahren von einer Tagesmutter und einer Kindergärtnerin betreut. Eine Köchin kümmert sich um die Verpflegung. Die Kinder stammen aus armen und oft kinderreichen Familien mit berufstätigen Eltern. Zwei Drittel der Mütter sind allein erziehend.

Am Anfang tat ich mich ehrlich gesagt recht schwer, mich - verwöhnt von zu Hause, wo alle Kinder immer wie aus dem Ei gepellt sind - an Rotznasen, Kopfläuse und schmutzige Kleidung zu gewöhnen, aber schon nach kurzer Zeit hatten sich die kleinen Räuber in mein Herz gestohlen und machten mir den Abschied schwer...

Ich kam heim und konnte nicht aufhören darüber nachzusinnen, wie man diesen Kindern helfen könnte. Ich fing an, bei Supermärkten und Drogerien um Spenden zu bitten, da in einem Land jenseits von Penaten und Bübchen vor allem die Hygieneartikel teure Mangelware sind, aber als Einzelperson ohne Organisation im Rücken hatte ich keine Chance.

So fragte ich Freunde nach gebrauchter Kleidung und Spielzeug, die wiederum ihren Freunden davon erzählten, und so wurde das Ganze zum Selbstläufer. Innerhalb von nur 8 Wochen bekam ich von vielen großzügigen Menschen sage und schreibe 481 Kilogramm Kleidung, Spielzeug, Handtücher und Pflegeartikel. Auch jede Menge Geldspenden kamen zusammen, um den Transport finanzieren zu können.

Anfang April reiste ich erneut nach Guatemala. Mein Mann kümmerte sich derweil zu Hause um die Verpackung und den Versand der Spenden und bereitete sich darauf vor, mich Mitte Mai bei "meinen" Kindern zu besuchen. In der Tagesstätte hatte ich alle Hände voll zu tun mit den Vorbereitungen für Muttertag. Es wurde gebastelt und gemalt, wir lernten Gedichte auswendig und studierten Tänze ein. Als der große Tag kam, hatte ich Gelegenheit, alle Mütter und Geschwister kennen zu lernen und wurde so zum ersten Mal auf die Problematik allein erziehender Mütter in Guatemala aufmerksam.

Mein Mann kam für drei Wochen und wurde von den kleinen Rackern ordentlich in Beschlag genommen. Von Urlaub konnte da wohl kaum die Rede sein. Als er wieder fuhr, waren die Spenden immer noch nicht frei gegeben. Acht lange Wochen hing die Sendung im Zoll fest. Unzählige Telefonate bis hin zum Büro der Frau des Präsidenten Berger, Dokumente, Mails aus Deutschland, 5 Tage in der Hauptstadt (davon einer mit Raubüberfall) und jede Menge Nerven hat es gekostet, aber dafür war die Freude der Kinder sowie auch aller Mitarbeiter im Projekt unbeschreiblich, als die heiß ersehnten 46 Kisten endlich geliefert wurden.

Es hat mehrere Tage gedauert, bis alle Sachen unter den Kindern aufgeteilt waren. Ein Teil verblieb für Notfälle und zum Spielen in der Kindertagesstätte. Jeden Abend standen Eltern an der Tür, um sich persönlich zu bedanken, schließlich war nicht nur den Kindern in der Tagesstätte, sondern auch deren Geschwistern und anderen Verwandten geholfen. Ich bin sicher, dass Kleidung und Spielzeug noch einige Kindergenerationen weitergegeben wird.

In den drei Monaten meines zweiten Guatemala-Aufenthaltes lernte ich mehr und mehr über den Alltag dort, über den Stellenwert der Familie, über den Einfluss von Religion und Kultur der Maya, über Machismo und den täglichen Überlebenskampf. Dass ich selbst in den viereinhalb Monaten dort zweimal überfallen (davon einmal bewaffnet) und viermal bestohlen wurde, führt mir einfach noch einmal vor Augen, wie arm die Menschen dort tatsächlich sind.

Ich lernte Miriam kennen, eine Kellnerin, die mir - stellvertretend für viele - ihre Lebensgeschichte erzählte und die mir damit praktisch die Idee gab für das, was ich nun - zusammen mit der Unterstützung meines Mannes, meiner Freunde, meiner Familie und hoffentlich bald auch mit Ihrer - verwirklichen möchte:

Frauen in Guatemala die Chance zu geben, auch allein für ihre Familien sorgen zu können, selbständiger und selbstbewusster zu werden und die Sicherheit zu haben, ihre Kinder liebevoll versorgt zu wissen.

Alles Gute, was geschieht, setzt das nächste in Bewegung.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

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